Ausbildung in neuen Kommunikationstechnologien an Schweizer Kunstschulen
Seit den 1970er Jahren haben sich die Kunstschulen in der Schweiz, wie überall auf der Welt, schrittweise den neuen Technologien geöffnet. Die klassischen Disziplinen – Malerei, Zeichnen, Bildhauerei, Gravur usw. – haben gegenüber den neuen Bildproduktionsmitteln an Terrain eingebüsst. Definitionen und Ziele der Kunst wurden radikal überdacht, neue Praktiken eingeführt, und das Arbeitsfeld der plastischen Künstler hat sich erheblich ausgeweitet. Die visuellen Künste haben sich so dem Kino, dem Video und der Tonbearbeitung geöffnet. Diese Veränderungen betrafen die angewandte Kunst (Design, Grafik, visuelle Kommunikation) genauso wie die schönen Künste.
Als Pionierin erwies sich die Ecole supérieure des beaux arts in Genf (heute heisst sie HEAD – Haute école d’art et de design – Genf): Sie nahm als erste eine audiovisuelle Ausbildung in ihren Lehrplan auf, die rasch zu einem Bereich der Filmausbildung, zu einer Filmschule im wahrsten Sinn des Wortes wurde. Zu dieser ersten Filmschule gesellte sich einige Jahre später die Ecole cantonale d’ art in Lausanne, die unter dem Antrieb des Filmemachers Yves Yersin ebenfalls eine audiovisuelle Abteilung (die DAVI) eröffnete. Zu Beginn der 1990er Jahre war es dann die HGKZ (Hochschule für Gestaltung und Kunst – Zürich), die eine Ausbildung in Filmrealisation in ihr Programm aufnahm, anschliessend begann die HGKL (Hochschule für Gestaltung und Kunst – Luzern), Videounterricht und Praktiken des Animationskinos anzubieten.
Kamera und Computer sind heute unverzichtbare Werkzeuge, die in allen Kunst- und Designschulen einen immer grösseren Teil der Ausrüstung für die Arbeiten der Studierenden ausmachen. Das Video verdrängt die Analogbilder, der elektronische Schnitt hat längst die 16mm-Schneidetische abgelöst, und Computergrafik, digitale Spezialeffekte und 3D gehören heute zum Alltag der Studierenden an Kunsthochschulen.
Die Ausbildungslandschaft für Berufe in der Welt des Films und des Fernsehens, so wie sie sich in der Schweiz in diesen Jahren entwickelt hat, weist einige Besonderheiten auf: Hier sind es die Kunstschulen (angewandte oder schöne Künste), die diese Ausbildung anbieten, im Gegensatz zu den Filmschulen in den Nachbarländern (vor allem dort, wo das Filmwesen industriell organisiert ist). Das Angebot ist sehr generalistisch: Ausbildungen für Regisseure und Autoren, für Künstler, die mit Mitteln des Films arbeiten, Leute, die in der Lage sind, jeden Schritt der Realisation zu begreifen und an jedem Punkt einzugreifen, vom Schreiben eines Drehbuchs über die Arbeit mit Bild, Ton, Inszenierung oder Produktion bis hin zur Postproduktion. Es gibt also keine spezialisierten Ausbildungen wie in den grossen Filmschulen im Ausland, wo Lehrgänge für Regisseure, aber auch für Drehbuchautoren, Chefoperateure, Toningenieure, Dekorateure oder Produzenten angeboten werden. Diese Philosophie widerspiegelt in der gegenwärtigen Schweizer Filmgeschichte die ganze Organisation der Branche und vor allem eine Praxis, die mehr handwerklich als industriell geprägt ist.
Der vollständige Originaltext ist auf der französischen Version der Website verfügbar.